Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren – Georg Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg

Fach Deutsch

Klasse 9

Autor Joker2017

Veröffentlicht am 11.07.2018

Schlagwörter

Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren Georg Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg Hardenberg

Zusammenfassung

Dieses Referat beschreibt und interpretiert das Gedicht "Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren" von dem deutschen Dichter Georg Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg, auch bekannt als Novalis, aus dem Jahre 1800.

Kostenlose Tipps zum Erstellen eines guten Referates

Wir haben für Dich eine Zusammenfassung bereit gestellt, die dich anleitet ein gutes Referat zu schreiben.

Tipps anschauen

Bei „Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren“ handelt es sich um ein Gedicht von Georg Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg, auch genannt Novalis, aus dem Jahre 1800. Es beinhaltet diverse zentrale Vorstellungen des Poeten von Hardenberg von einer romantischen Universalpoesie.

Es folgt der Gedichtstext in der Originalfassung, sowie ein Kommentar und ein Interpretationsansatz:

Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
Sind Schlüssel aller Kreaturen
Wenn die, so singen oder küssen,
Mehr als die Tiefgelehrten wissen,
Wenn sich die Welt ins freye Leben
Und in die Welt wird zurück begeben,
Wenn dann sich wieder Licht und Schatten
Zu ächter Klarheit werden gatten,
Und man in Mährchen und Gedichten
Erkennt die wahren Weltgeschichten,
Dann fliegt vor Einem geheimen Wort
Das ganze verkehrte Wesen fort.

Beschreibung und Interpretationsansatz

Das Gedicht „Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren“ befindet sich im Romanteil Heinrich von Ofterdingen. Zahlen und Figuren werden vom Poeten heruntergestuft. Dies ist für die Zeit, aus der das Gedicht stammt, ungewöhnlich. Insbesondere, da der Poet von Hardenberg, nicht nur Poet, sondern auch Philosoph und naturwissenschaftlich interessiert ist. Für die Dichter der Zeit der Aufklärung war der Zugang zum Kosmos und Universum stets fest an die Rationalität gebunden. Die Romantik und allen voran der Dichter von Hardenberg, brechen mit diesem Streben. Zwei Jahre bevor von Hardenberg das Gedicht „Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren“ verfasst hat, rühmte er in seinem Monolog noch den Zauber, den Glanz und die

Schönheit der mathematischen Formeln:
Wenn man den Leuten nur begreiflich machen könnte, daß es mit der Sprache wie mit den mathematischen Formeln sei — Sie machen eine Welt für sich aus — Sie spielen nur mit sich selbst, drücken nichts als ihre wunderbare Natur aus, und eben darum sind sie so ausdrucksvoll —- eben darum spiegelt sich in ihnen das Verhältnißspiel der Dinge.

Georg Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg misstraut den Gelehrten. Für ihn ist der Weg zum Verständnis der Welt nicht ausschließlich in rationalen Dingen zu finden. Er sucht und findet seinen persönlichen Schlüssen zum Verständnis der Welt bei Künstlern, Sängern sowie bei den liebenden Menschen. Ein solcher Tiefgang ist für einen naturwissenschaftlich interessierten Menschen zu dieser Zeit sehr ungewöhnlich.

In den ersten beiden Versen des Gedichts „Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren“ wird Kritik am Anspruch der Naturwissenschaften und deren rational quantitativen Methoden, die Welt erklären zu können, geübt. Dies betrifft auch die Verwendung von Zahlen und Figuren für Formeln und geometrische Strukturen. Durch die Wörter Schlüssel und Kreaturen wird sich direkt zu Beginn des Gedichts von der Wissenschaft in Richtung Mystik und Religion bewegt. Zu der Zeit, in der das Gedicht verfasst wurde, hatten die Naturwissenschaften im Allgemeinen einen äußerst hohen Stellenwert und Naturwissenschaftler waren in der Gesellschaft sehr angesehen. Allein aus diesem Grund ist eine Kritik an der Naturwissenschaft sehr ungewöhnlich für das 18. Jahrhundert.

Im dritten und vierten Vers werden die Tiefgelehrten kritisiert. Es wird behauptet, dass die die küssen und lieben über ein größeres Wissen verfügen und dieses auch anwenden können.

Im fünften und sechsten Vers gibt es eine ausführliche, zweiteilige Aussage über die Bedeutung der Welt aus der im 18 Jahrhundert üblichen Sichtweise. Sie kann einerseits die gebildete adlig – bürgerliche Welt sein und somit einen Gegensatz zum zwanglosen freien Leben darstellen oder aber als natürlich – göttliche Schöpfung angesehen werden. Das Ziel des Gedichts ist es daher, den ursprünglichen, paradiesischen Zustand der Welt wiederherzustellen.

Im siebten und achten Vers wird auf das Licht und dessen Bedeutung eingegangen. Das Licht wird hierbei als Bild für die Verstandes Erkenntnis verwendet. Diese ist typisch für die Aufklärung. Mit der Fackel der Vernunft tritt das Licht der Wahrheit in das Dunkel des Aberglaubens und des Fanatismus, des Unwissens und des Irrtums. Im Gegensatz zur Aufklärung war in der Romantik das Dunkle und die Nacht nichts Negatives. Im Gegenteil die Nacht bot die Möglichkeit der wahren Erkenntnis sowie intuitivem Wissen.

Im neunten und zehnten Vers geht das Gedicht „Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren“ seinem Höhepunkt entgegen. Es wird die Behauptung gebracht, dass die wahren Weltgeschichten nicht in den gelehrten Wissenschaften, den Naturwissenschaften, zu finden sind. Sie seien hingegen ausschließlich in der Poesie, also in Gedichten und auch in Märchen zu finden. Diese Behauptung ist insbesondere für die damalige Zeit, äußerst provokativ. In Gedichten und Märchen, sieht der Dichter von Hardenberg zeitlose Bilder von Konflikten und typischen Situationen menschlichen Zusammenlebens. Von Hardenbergs Ansichten ähneln denen von Gotthilf Heinrich Schubert, der in seinem Werk „Ansichten von der Nachtseite der Naturwissenschaften“ im Jahre 1808 eine ähnliche Denkweise schilderte.

Die letzten beiden Verse, also der elfte und der zwölfte Vers des Gedichts, bringen die herbeigesehnte Folgerung aus den im Vorfeld genannten Bedingungen.

Die Gedichtsform von „Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren“

Das Gedicht besteht aus einer einzigen Strophe, welche aus zwölf Versen besteht. Das Gedicht geht in logischer Folge einem geschlossenen Gedankengang nach. Bei dem verwendeten Versmaß handelt es sich um einen jambischen Vierheber.
Es sind Reime vorhanden. Als Reimschema, wird der klassische Paarreim in dem Gedicht verwendet. Dieser besteht aus jeweils zwei aufeinanderfolgenden Versen, also aa, bb, cc usw. Das gesamte Gedicht ist aus einem einzigen konditionalen Satzgefüge gebildet.

Es besteht aus vier Nebensätzen, welche mit dem Wort „wenn“ gebildet werden. Dies entspricht dem rhetorischen Mittel der Anapher. Diese Nebensätze gehen stets einem Satz mit „dann“ voraus. Die „wenn Sätze“ bilden mit den „dann Sätzen“ eine grammatikalisch logische und korrekte Einheit, nach dem sogenannten Konsekutiv Prinzip.