Deutsch-französische Beziehungen von 843 bis heute

Fach Geschichte

Klasse 13

Autor kt0214

Veröffentlicht am 03.04.2018

Schlagwörter

Deutschland Frankreich Karl der Große Bismarck EG EU

Zusammenfassung

Dieses Referat thematisiert die deutsch-französischen Beziehungen von 843 bis heute. Dabei wird unter anderem auf die Aufteilung des Reichs im Jahr 843 n. Chr., die Beziehungen im 1. und im 2. Weltkrieg sowie auf die Beziehungen in der Nachkriegszeit und die Entstehung der EG bzw. EU eingegangen.

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Betrachtet man heutzutage das sehr gute deutsch-französische Verhältnis, könnte man davon ausgehen, dass die Freundschaft der beiden Länder auf einfache und unkomplizierte Weise zustande gekommen ist. Um die Entstehung dieser Freundschaft verstehen zu können, ist es jedoch nötig, die gemeinsame Geschichte der beiden Länder zu betrachten, welche sich über mehr als ein Jahrtausend erstreckt.

Als ersten Grundstein der gemeinsamen Geschichte kann man die Aufteilung des Reiches von Karl dem Großen im Jahr 843 n. Chr. ansehen. Da dieser ca. 30 Jahre zuvor verstarb und es seinem Sohn, Ludwig dem Frommen, bis zu dessen Tod (840) nicht gelang, das fränkische Großreich seines Vaters fortzuführen, beschloss man, das Reich unter den drei Enkeln Karls aufzuteilen. Dabei erhielt Karl der Kahle den westlichen Teil, welcher sich in den folgenden Jahrhunderten zu dem heutigen Frankreich entwickeln sollte, Ludwig der Deutsche das Ostfrankenreich, welches sich zuerst zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und später zum heutigen Deutschland entwickeln sollte, und Lothar I. das Mittelreich, welches sich von Italien bis hin zur Nordsee erstreckte. Da Lothar bereits im Jahr 855 verstarb, wurde sein Reich 880 endgültig an das ostfränkische Gebiet annektiert.

Einige Jahrhunderte später, 1685, folgte eine Emigrationswelle von Franzosen in die Schweiz, nach Holland und nach Deutschland. Grund hierfür war die Annullierung des Edikt von Nantes durch Ludwig XIV., da dieser seine absolutistische Macht in Frankreich festigen wollte und damit den französischen Protestanten ihre politischen und religiösen Rechte entzog.
Zwei Jahre später folgte ein Ereignis, welches das deutsch-französische Verhältnis negativ beeinflusste. Ludwig hatte es sich zum Ziel gesetzt, sein Reich zu erweitern, weshalb er die Pfalz besetzte, was zu zahlreichen zerstörten Städten und Dörfern im deutschen Territorium führte.

In den Jahren 1870/71 folgte ein Ereignis, das die deutsch-französische Beziehung maßgeblich beeinflusste. Da Bismarck eine Strategie entwickelt hat, um das unter der Herrschaft von Napoléon stehende Frankreich zu besiegen, provozierte er eine Kriegserklärung der Franzosen gegenüber Preußen. Bereits wenige Monate später gelang es den preußischen Truppen, die französischen Soldaten zu besiegen, weshalb Frankreich das Gebiet Elsass-Lothringen aberkannt wurde. Die Politik Bismarcks führte dazu, dass ein deutsch-französischer Antagonismus entstand, welcher sich in den kommenden Jahrzehnten verstärken sollte.

Dieser Antagonismus setze sich in der Zeit des 1. Weltkrieges von 1914-1918 fort. Vor allem die Schlacht um Verdun zeigte, wie verfeindet sich diese beiden Länder gegenüberstanden. Durch den Versailler Vertrag, welcher 1919 erstellt wurde, verlor Deutschland Elsass-Lothringen wieder an Frankreich. Zudem besagte ein Teil des Vertrags, dass die alleinige Kriegsschuld bei den Deutschen liege, weshalb diese enorm hohe Reparaturkosten zu leisten hatten. Dieser Krieg beeinflusste das Verhältnis zwischen den beiden Ländern negativ, weshalb deren Kommunikation – wie schon bereits vor dem 1. Weltkrieg – gestört blieb.

Obwohl Gustav Stresemann und Aristide Briand – die jeweiligen Außenminister von Deutschland und Frankreich - zwischendurch versuchten, die Beziehung der beiden Länder zu verbessern, scheiterte dies, da im Jahr 1929 die Weltwirtschaftskrise folgte, wodurch die außenpolitischen Handlungen Frankreichs und vor allem Deutschlands stark in den Hintergrund rückten.

Letztendlich folgte im Jahr 1933 die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler, welcher unter anderem die Expansion des Deutschen Reiches anstrebte. Da dieser im September 1939 einen Angriff auf Polen startete, erklärten Frankreich und Großbritannien Deutschland den Krieg. Während dem 2. Weltkrieg fanden unzählige Schlachten statt, welche den Tod zahlreicher Menschen und die Zerstörung von tausenden Städten und Dörfern zur Folge hatte. Da die Deutschen von 1940 – 1944 einen Teil Frankreichs besetzten, wurde dieses in eine besetzte und in eine freie Zone eingeteilt. Ebenso wurden ca. 65.000 französische Juden deportiert und viele weitere Menschen in Arbeitslager gebracht.

Nachdem der Krieg schließlich in der Nacht vom 08. auf den 09. Mai 1945 mit einer Niederlage Deutschlands endete, folgten mehrere Jahre des Wiederaufbaus, insbesondere in Deutschland und Frankreich.

Um weitere Konflikte zwischen den beiden Ländern zu vermeiden, beschloss man im Jahr 1952, die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl zu gründen, welche eine Kooperation zwischen Frankreich und Deutschland vorsah. Die Gründung dieser Gemeinschaft war der Anfang der sich nun stetig verbessernden deutsch-französischen Beziehung.
Im Jahr 1955 wurde das Verhältnis positiv beeinflusst, da der französische Präsident Charles de Gaulle (siehe Anhang 7) eine Volksabstimmung im Saarland ermöglichte, welche den Saarländern die Möglichkeit bot, über ihre Zugehörigkeit abzustimmen. Aufgrund der Mehrheit, die sich für Deutschland entschied, wurde das Gebiet an das deutsche Territorium annektiert.

Zwei Jahre später folgte die Erweiterung zur europäischen Gemeinschaft (EG), die nun aus sechs Ländern (Belgien, Niederlande, Luxemburg, Italien, Frankreich, Deutschland) bestand.

Damit das Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich weiterhin verbessert werden konnte unterzeichneten im Jahr 1963 Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer den Vertrag von Elysée, welcher eine deutsch-französische Kooperation vorsah. Ebenso beinhaltete dieser Vertrag die Gründung des deutsch-französischen Jugendwerkes, wodurch bis heute zahlreiche Städtepartnerschaften und Schüleraustauschprogramme ermöglicht werden.

Da die Kooperation zwischen den beiden Ländern erfolgreich verlief, wurde im Jahr 1992 der Vertrag von Maastricht unterzeichnet, durch welchen die Europäische Union (EU) gegründet wurde, die heute 28 Mitgliedsstaaten zählt.
Betrachtet man also die gemeinsame Geschichte von Deutschland und Frankreich, lässt sich feststellen, dass es keineswegs ein einfacher Prozess war, der die heutige Freundschaft der beiden Länder ermöglichte. Nachdem man sich jahrelang bekriegt hat, entschied man sich für den friedlichen Weg und somit für eine Kooperation. Als Grundstein für die deutsch-französische Freundschaft kann die Unterzeichnung des Vertrags von Elysée angesehen werden, dessen Wurzeln sich noch heute in der sehr engen deutsch-französischen Beziehung widerspiegeln.

Ebenso wie das deutsch-französische Verhältnis hat sich der Umgang mit Verdun positiv verändert. Während man unmittelbar nach dem 1. Weltkrieg noch versuchte, die Gebeine nicht identifizierbarer gefallener deutscher und französischer Soldaten getrennt aufzubewahren, wurde das Schlachtfeld zunehmend von ehemaligen Frontkämpfern beider Länder besucht. Diese Begegnungen deuteten eine allmähliche Aussöhnung an, jedoch erschienen die Deutschen zur internationalen Feier zum 20. Jahrestag mit Hakenkreuzfahnen und Hitlergruß beim Denkmal der Toten am Platz der Nation, was zeigt, dass man auf deutscher Seite wohl nicht bereit war, einen endgültigen Frieden zu schließen. Obwohl die Länder bereits am Abend vor der Gedenkfeier einen Friedensschwur aussprachen, kam es drei Jahre später zu einem erneuten Krieg, was verdeutlicht, dass die Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich wohl noch nicht ausgereift war.

Zur Feier des 50. Jahrestags im Jahr 1966 war die Aussöhnung – trotz des Vertrags von Elysée – immer noch nicht komplett abgeschlossen, weshalb die Franzosen beschlossen, die Deutschen, aber auch die Amerikaner von der Feier auszuschließen, um ihren damaligen Triumph unter sich feiern zu können.

18 Jahre später, also 68 Jahre nach der Schlacht um Verdun, erfolgte jedoch die endgültige Aussöhnung zwischen den beiden Staaten. François Mitterand, damaliger Präsident von Frankreich, und der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl gaben sich über den Gräbern von Douaumont die Hand, was die deutsch-französische Freundschaft bestätigen sollte.
Dass der ehemalige Bischofspalast in der Oberstadt von Verdun seit den 90er Jahren zu einem Weltzentrum für den Frieden und die Freiheit ausgebaut wird, zeigt, welch einen Stellenwert dieser Ort erlangt hat. Während Verdun zu Beginn noch mit negativen Ereignissen verbunden wurde, versucht man nun, den Namen dieses Ortes zunehmend mit etwas positivem, als Ort der internationalen Freundschaft, zu assoziieren.

Man kann also feststellen, dass sich sowohl der Umgang mit Verdun als auch die Symbolwirkung dieses Ortes verändert haben. Während der Ort früher ausschließlich die Hölle des 1. Weltkrieges symbolisierte, repräsentiert dieser nun auch den Ort der deutsch-französischen Aussöhnung und zunehmend den Ort einer internationalen Gedenkstätte für den Frieden zwischen den Völkern.