Nathan der Weise, Szenenanalyse I, 5

Fach Fach

Klasse 13

Autor Eeurostar

Veröffentlicht am 13.04.2018

Schlagwörter

Natahn der Weise; Lessing Klosterbruder ; Patriarch; Tempelherren ; Szenenanalyse

Zusammenfassung

Gotthold Ephraim (1729 -1781Lessing veröffentlichte 1779 das fünfaktige Drama Nathan der Weise, welches am14. April 1783 in Berlin uraufgeführt wurde. Dieses Referat analysiert die 5. Szene aus dem ersten Akt.

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Nathan der Weise, Szenenanalyse I, 5

Gotthold Ephraim Lessing (1729-1782) verfasste 1779 das dramatische Gedicht in 5 Aufzügen „Nathan der Weise“.
Lessing, ein bedeutender Dichter der deutschen Aufklärung, erhielt zu dieser Zeit das Verbot, etwas zum Fragmentenstreit ohne Erlaubnis zu veröffentlichen. Er umgeht dies und beginnt 1778 die Überarbeitung eines Dramenentwurfs, was die damals gegenwärtigen Streitigkeiten widerspiegelt.

In seinem Werk setzt er sich mit dem Absolutheitsanspruch der Religionen auseinander.

Die Szene ist im ersten Aufzug des Werkes, in der Exposition angesiedelt.
Sie dient zur Einführung des Tempelherrn, über den bisher gesprochen wurde, der jetzt aber selbst agiert und des Klosterbruders, der im Auftrag des Patriarchen handelt.

1. Abschnitt

Nachdem der Tempelherr wieder unter den Palmen gesichtet wurde, und Nathan Daja auforderte ihn anzuhalten, erfolgt beim nachfolgenden 5. Auftritt ein Ortswechsel.
Der Tempelherr geht unter den Palmen auf und ab. Ein Klosterbruder folgt ihm in einiger Entfernung, der Tempelherr spricht ihn an. Dieser eröffnet ihm, dass er vom Patriarchen geschickt wurde, um den Tempelherrn auszukundschaften. Es folgen Versuche des Patriarchen den Tempelherrn durch den Klosterbruder als eine Art Werkzeug für seine Vorhaben zu erlangen.

Er will den Tempelherrn dazu anstiften einen Brief an König Philipp zu übermitteln, in welchem er ihm von seiner Spionage beim Sultan Saladin berichten soll. Der Klosterbruder will ihn überzeugen, die schwach bewachten Stellen der von Saladin aufgeführten zweiten Mauer auszukundschaften, und noch weiter, einen Anschlag auf den Sultan auszuüben. Der Templer weist den Auftrag mit der Begründung, dass er selbst Saladin sein Leben verdanke, zurück.

Der Gesprächsverlauf I, 5 lässt sich in vier verschiedene Sinnabschnitte einteilen, die von den steigenden Themen, die der Klosterbruder anspricht, ausgehen.

Die Hinführung zur Unterhaltung bildet die Kontaktaufnahme zwischen den beiden agierenden Personen. Der vorangestellte Nebentext lässt erkennen, dass der auf und nieder gehende Tempelherr in unruhiger Verfassung ist, und der Klosterbruder, der ihm immer wieder folgt, sich nicht dazu entschließen kann, ihn anzureden. Der Tempelherr geht zunächst davon aus, der Geistliche will ihn um Almosen bitten und spricht in an. So wäre er doch gern bereit dazu, etwas zu geben, bedauert aber, dass er nichts hat. Das verdeutlicht seine unvermögende und ärmliche Situation, zeigt aber auch, dass der Wille zum Teilen da ist.

Das Kontaktgespräch schließt sich an, der Klosterbruder klärt ihn auf, nicht wegen Almosen aus dem Kloster geschickt worden zu sein. Der Tempelherr zeigt sich aufmerksam, stellt häufig Fragen und interessiert sich für die Worte des Geistlichen. Die Geste vom Klosterbruder, ihn wieder mit zum Kloster zu nehmen, um ihm dort ein kleines Pilgermahl zu ermöglichen, zeugt von Freundlichkeit und Interesse mit dem Tempelherrn zu reden.
Dessen Bescheidenheit lässt ihn ablehnen, er ist stellt sich zufrieden mit reifen Datteln, obwohl er mittellos wie er ist, lange kein Fleisch essen konnte. Der Klosterbruder beginnt nicht gleich mit seinem Vorhaben, lieber verweist er noch auf eine Warnung vor den Datteln, die das Gemüt melancholisch werden lassen.

Melancholisch aber fühlt sich der Tempelherr gern, was auf sein momentan schwermütiges Wesen deutet. Er macht dem Kontakt Kontaktgespräch ein Ende und fragt gezielt nach den Anliegen des Klosterbruders.

Zweiter Abschnitt

Der zweite Abschnitt wird eingeleitet, in dem der Klosterbruder seinen Auftrag aus dem Kloster frei heraus enthüllt, „Mich nur nach Euch erkunden; auf den Zahn euch fühlen.“ ‚Nur’ lässt hierbei keinerlei Hintergedanken erahnen, der Klosterbruder geht wohlüberlegt vor und tastet sich erst später an sein wahres Vorhaben heran. Als der Klosterbruder angibt er müsse gehorchen, verdeutlicht sich seine Position. Er gehorcht, handelt ohne selbst zu denken. Seine Selbstbestimmung an den Patriarchen abgegeben, steht er als Sinnbild für Unmündigkeit und Einfältigkeit und agiert so gegen den Leitfaden der Aufklärung.

Deutlich wird seine Auffassung noch, als der Tempelherr fragt: „Gehorcht ihr denn auch ohne viel zu klügeln?“ „Wär’ s sonst gehorchen, lieber Herr?“, ist die Rückfrage des Klosterbruders. Die der Frage des Tempelherrn lässt erstmals seinen Hochmut durchscheinen, er stellt sich über den Klosterbruder in seiner Unmündigkeit. Im Beiseitesprechen bemängelt er seine altkluge Einfältigkeit. Die wiederholte Anrede des Klosterbruders ‚lieber Herr’ unterstreicht seine Unterwürfigkeit. Hierbei lässt es sich nach näherer Analyse aber erahnen, dass der Klosterbruder einfältig tut, es aber nicht ist. Der Klosterbruder als Bote des Patriarchen will wohl das Gegenteil erreichen, wozu er gesandt worden ist. Das hinter dem Klosterbruder eine Obrigkeit steht, die den Auftrag erteilt hat, weckt das Interesse des Tempelherrn.

Dass der Patriarch derjenige ist, der ihn auskundschaften will, wundert den Christen. Dennoch erzähl er bereitwillig von den Umständen seiner Begnadigung. Dieser Teil ist Träger von wichtigen Informationen, das Drama betreffend.
Der Tempelherr wurde bei einem Angriff kurz vor dem Waffenstillstand bei Tebnin mit zwanzig anderen Kämpfern gefangen genommen und sei als einziger davon begnadigt worden

Der Klosterbruder gibt sich völlig unwissend, fragt sogar noch nach Gründen für diese unerwartete Handlung. Doch die Veranlassung dafür kann sich der Tempelherr nicht erklären. Er erzählt aber alles, was er weiß, wie er glaubt nur kurz vor seiner Hinrichtung eine Rührung des Sultans beobachtet zu haben, die diesen wohl zur Begnadigung veranlasst habe. Indem sich der Klosterbruder die Geschichte des Tempelherrn erzählen lies, hielt er diesem sein unglaubliches Ereignis noch mal vor Augen.

Dritter Teil

Im dritten Teil der Unterhaltung versucht der Geistliche nun dem Tempelherrn sein Anliegen zunächst überzeugend zu vermitteln. Er leitet es ein, mit dem Ausspruch, dass der Patriarch aus diesem Ereignis schließt, dass Gott ihn zu, großen, großen Dingen aufbehalten hat’.
Der Tempelherr aber zweifelt daran, lässt sich zu Ironie hinreißen. „Ja, zu großen!
Ein Judenmädchen aus dem Feu’r zu retten;
Auf Sinai neugier’ge Pilger zu Gleiten;“
Er lässt durchscheinen, dass er unzufrieden mit seiner Arbeit ist, wirkt verbittert. Auch hier spricht er Verachtung gegenüber Juden aus. Die Rettung Recha’s, seine gute Tat, steht im Widerspruch zu seiner Ablehnung des jüdischen Volkes.

Der Klosterbruder hingegen scheint das für eine recht gute Tat zu halten, er erkennt die Unzufriedenheit des Tempelherrn und geht darauf ein. Er deutet an, dass der Patriarch schon wichtige Geschäfte mit ihm vorhat.
Bisher funktioniert seine Taktik, im Tempelherrn wurde Interesse geweckt, er erkundigt sich. Mit dem Ausspruch, er müsse den Tempelherrn erst ‚ergründen’, hat es fast den Anschein, als drehe er das Spiel, als müsse sich der Tempelherr erst bewerben, erst beweisen statt gebeten zu werden für diese Aufgabe.
Dass er als erste Information den Brief erwähnt, setzt er der ungefährlichen Aufgabe als Bote zunächst mehr Gewicht zu. Weiter, beteuert er die Wichtigkeit des Briefes, bezieht sich dabei sogar auf Versprechungen im Himmelreich.

Um den Tempelherrn nachdrücklich zu beeinflussen, verwendet er Äußerungen und Anreden, wie „niemand würd’ger als mein Herr.“ und „Geschickter als mein Herr.“
Der Tempelherr lässt sich davon ungläubig beeindrucken. Der Geistliche erwähnt weiter dessen begnadete Qualitäten als Ritter, darin verpackt, den wirklichen Inhalt, der im Brief berichtet werden soll, die Stärken und Schwächen der Stadtmauer Saladins.

Der Tempelherr scheint zusätzlich interessiert, fragt nach näherem Inhalt. Bis hierher sind die Worte des Klosterbruders von des Patriarchen stammend. Er distanzierte sich stets davon, „der Patriarch-„. Jetzt teilt er dem Tempelherrn mit eigenen Worten mit, wie sonderbar sich der Patriarch wegen des Briefes für König Philipp ereifert und entblößt, was dieser wirklich durch den Tempelherrn zu erfahren wünscht. Er will wissen, ob der Waffenstillstand mit Saladin hergestellt werden solle oder ob Aussichten auf einen Sieg bestehen.

Der Tempelherr beweist Scharfsinnigkeit, und begreift, dass die Aufforderung bedeutet, für ihn als „Spion“ gegen Saladin zu arbeiten. Entschieden weist er das Anliegen des Patriarchen zurück. Er lehnt Spionage ab, mit der Begründung er sei kein Kundschafter und müsse sich noch als Gefangener betrachten.

4. Abschnitt

Im vierten Sinnabschnitt unterrichtet der Klosterbruder den Tempelherrn über den von dem Patriarchen geplanten Mord an Saladin. Der Patriarch ist geht über Leichen, wenn es notwendig ist, um den christlichen Glauben vollständig in Jerusalem zu verbreiten.

Fast beiläufig erwähnt der Klosterbruder, das schon Maroniten angeboten hätte den Auftrag des Patriarchen zu übernehmen. Hierzu stellt er den Tempelherrn an die Spitze, als Führer. Diese Aufgabe scheint nun als äußerst erstrebenswert und Ansehen einbringend. Er legt gezielt die Denkweise des Patriarchen wenig überzeugend dar: seine Berufung auf Gott dient nur dazu, irdische “Bubenstücke”, irdische Schandtaten, zu rechtfertigen.
Hierbei wiederholt er ständig “meint der Patriarch”, was immer wieder deutlich macht, dass er zu den Aussagen und der Absicht des Patriarchen auf Distanz geht.

Der Tempelherr aber beweist Selbstsicherheit, als er die Aufträge des Patriarchen abweist. Sein ausgeprägter Sinn für Gerechtigkeit veranlasst ihn dazu, er beharrt auf christliche Grundsätze und lässt sich nicht beirren. Er möchte zu keinem „undankbarer Schurken“ werden, weil er Saladin sein Leben verdankt. Der Klosterbruder verweist noch darauf, dass der Tempelherr nicht wirklich des Dankes verpflichtet sei, weil er nur dem Bruder des Saladin ähnelte. Hier wird deutlich, dass der Patriarch viel mehr über die Begnadigung wusste, als anfänglich angeben, was die Taktik des Herantastens unterstütz.
Jedoch nimmt der junge Mann eindeutig Abstand von einer ihm vorgehaltenen Freundschaft und Ähnlichkeit mit den andersgläubigen Muslimen. Erbost schickt er den Geistlichen fort. Dieser wirkt freudig und erleichtert, aufgrund des Entschlusses des Tempelherrn.

Fazit

Dieser erzieherische Text macht die skrupellosen Ansichten des Patriarchen deutlich, welcher nach immer größer werdender Macht strebt, die absolute Vorherrschaft der Christenheit innerhalb der verschiedenen Religionen. Lessing stellt den Patriarchen negativ dar, es stört ihn, dass die Christen ihre Religion für die einzige wahre halten. Lessing zeigt die Unmündigkeit des Volkes zur damaligen Zeit durch den Klosterbruder auf. Die Dramenszene charakterisiert weiterhin den Tempelherrn als einen ärmlichen, stolzen, scharfsinnigen und gerechten Mann.
Auch jetzt leben wir in einer Zeit, die in vielen Teilen der Welt geprägt ist von nationaler und religiöser Intoleranz, von Vorurteilen und Fanatismus, was hier vom Tempelherrn und zum großen Teil vom Patriarchen verkörpert wird.
Die Ideale der Aufklärung sind bis heute aktuell, unsere Zeit
bedarf nach wie vor des Aufrufs zu Toleranz
und Mitmenschlichkeit. Ich halte die Szene im Zusammenhang des gesamten Dramas für sehr vorbildhaft. Viele Menschen definieren sich auch noch im Alltag zu stak durch ihre Herkunft und Religion.

Sein Werk verfasste Lessing mitten in der Epoche der Aufklärung,
In der Geschichte war die Aufklärung eine Epoche, in der die Toleranz zwischen den verschiedenen religiösen Gruppen innerhalb einer Gesellschaft zu einem zentralen Thema wurde.
Es spielt zu einer Zeit, in der sich die drei großen Religionen im Krieg zueinander befanden.
Dem Werk ging der „Fragmentenstreit“ voraus. Lessing konnte seine politischen Ansichte und Ideen in dem Drama „verpacken“, welches nicht zensiert wurde.