Die Literaturepoche des Expressionismus

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Klasse 13

Autor Sylvi

Veröffentlicht am 06.07.2018

Schlagwörter

Expressionismus Literatur Schriftsteller Erster Weltkrieg Großstadt

Zusammenfassung

Der Expressionismus ist eine bedeutende Literaturstilrichtung des beginnenden 20. Jahrhunderts, in welcher ein Bruch mit den bisherigen Normen begangen wird und Gefühle wie Orientierungslosigkeit im Großstadtleben zum Ausdruck kommen. Dieses Referat beschreibt die Entstehung dieser Stilrichtung und zeigt namhafte Künstler und Werke dieser auf.

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Der Expressionismus ist ursprünglich eine Stilrichtung der Kunst, welche sich im 19. Jahrhundert bildete, doch der Begriff wurde im Jahre 1911 vom deutschen Schriftsteller Kurt Hiller auf die Literatur übertragen. Der Ausdruck beschreibt die literarischen Ausprägungen im Zeitraum zwischen 1905 bis 1925. Der Begriff setzt sich aus den lateinischen Wörtern „ex“ und „premere“ zusammen, was so viel bedeutet wie „ausdrücken“. Ist daher von Expressionismus die Rede, so bedeutet dies „Ausdruckskunst“. Eine bekannte Ausprägung dieser Stilrichtung ist der Dadaismus, welcher von Nonsens und den Verzicht auf Logik geprägt ist.

Gesellschaftliche Veränderungen prägen diese Literaturepoche. Das bedeutendste historische Ereignis während des Expressionismus war der Erste Weltkrieg. Der Krieg, die Industrialisierung und die zunehmende Verstädterung prägten die Generation und deren Ausdrucksmöglichkeiten in der Literatur. Der Expressionismus ist bestimmt von antinationalistischem Denken und beschäftigt sich mit sehr subjektiven und gesellschaftsrelevanten Themen wie politische Repressionen, der Großstadtproblematik und der „Enthumanisierung“ während der Industrialisierung sowie gesellschaftliche Machtapparaturen.

Die politischen Ziele dieser Epoche ähneln jenen des Sturm und Drang. Eine große Rolle spielte das Motiv der Großstadt, die rasante Entwicklung und Vergrößerung dieser und das dadurch entstehende Empfinden des Verlorenseins. Man fühlte sich bedroht von der Anonymität der Großstadt. Die expressionistischen Schriftsteller wendeten sich dem Pazifismus zu, positionierten sich insbesondere gegen den Nationalismus und hatten oftmals eine Neigung zum Sozialismus. Auch der Ekel vor dem bedeutungslosen Alltag und antibürgerliche Ansätze sowie die Angst vor Identitätsverlust werden aufgegriffen. Somit wird der Wahnsinnige Mensch als positiv betrachtet, weil er den Kontrast zum verhassten Normal-Bürger darstellt.

Sprachliche Merkmale

Die Sprache des Expressionismus unterscheidet sich sehr stark von allen bisherigen literarischen Stilrichtungen. Sie ist von einer hohen Emotionalität und Pathos bestimmt. Die Sprache ist von einer Subjektivität durchzogen und nutzt starke Übertreibungen und detailreiche Beschreibungen. Die Autoren wollten somit nicht die reale Welt abbilden, sondern ihre subjektive Wahrnehmung dieser. Es wird absichtlich mit grammatischen und stilistischen Normen gebrochen und häufig werden Metaphern und Farbsymboliken verwendet, was zu einer intensiven Bildhaftigkeit und Ausdrucksstärke führt. Es wird auch auf schockierende und verstörende Elemente gesetzt: anstatt die Welt künstlerisch darzustellen, bildete sich hier ein Hang zur Darstellung von Krankheit, Tod und Zerfall heraus. Somit wird das Hässliche und Abstoßende aufgegriffen. Es wird auf jedwede Logik verzichtet und oftmals finden sich Wortneuschöpfungen, sogenannte Neologismen.

Der Expressionismus wird in drei Phasen eingeteilt: Der Frühexpressionismus (1905 bis 1914), der Kriegsexpressionismus (1914 bis 1918) und der Spätexpressionismus (1918 bis 1925).

Der Frühexpressionismus (1905 bis 1914)
Der Frühexpressionismus entstand als Reaktion einer jungen Generation auf die Industrialisierung, die zunehmende Verstädterung, die Entwicklung von Verkehrs- und Kommunikationstechnologien, das Leben in der Großstadt und die daraus rührende Reizüberflutung. All das verursachte ein Gefühl des Verlorenseins, der Orientierungslosigkeit, der Entfremdung und das normalbürgerliche vom Alltag geprägte Leben wurde als einengend und bedrückend empfunden. Diese Faktoren bedingten das Entstehen der neuen künstlerisch-literarischen Strömung des Expressionismus, die mit vorangegangenen Normen bricht und das konservative Bürgertum provozieren will. Erste Vertreter des Expressionismus sind unter anderem die anfangs wöchentliche avantgardistische Berliner Zeitschrift Der Sturm von Herwarth Walden, die Zeitschrift für Kulturkritik und avantgardistische Literatur Der Brenner von Ludwig von Ficker, die literarische und links-politische Zeitschrift Die Aktion von Franz Pfemfert sowie das Gedicht Weltende von Jakob van Hoddis, in welchem er die Zerrissenheit des Großstadtlebens darstellt.

Der Kriegsexpressionismus (1914 bis 1918)
Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges bedeutete auch ein Umbruch für den Expressionismus. Bevor der Krieg seinen Anfang nahm wurde der Krieg in der Lyrik oftmals aufgegriffen, um das Hinwegkommen über das Bestehende und den Aufbruch zu Neuem zu beschreiben. Als der Krieg jedoch ausgebrochen war, wurde das Motiv des Krieges fast ausschließlich dazu verwendet, um die Kriegserfahrungen der Autoren darzustellen. Beispiele hierzu sind die Gedichte Patrouille von August Stramm sowie Grodek von Georg Trakl. Viele der expressionistischen Schriftsteller starben im Ersten Weltkrieg.

Der Spätexpressionismus (1914 bis 1925)
Durch die Kriegserfahrungen und die Zeit nach dem Krieg, die von Elend geprägt war, entstand eine zunehmend pazifistische Einstellung und die Verfluchung von technischer Massenvernichtung. Nun spielten nicht mehr die im Frühexpressionismus herrschenden Fantasien von düsteren und morbiden Visionen die Hauptrolle, sondern politisch linksradikale Gesellschaftsmodelle. Vertreter dieser Zeit waren zum einen Ernst Toller, ein deutscher Schriftsteller und Dramatiker und linkssozialistischer Revolutionär sowie Ernst Barlach, ein deutscher Künstler und Schriftsteller, welche beide mit politisch motivierten Texten ihre Vorstellungen zum Ausdruck brachten.

Bekannte Autoren und Werke des Expressionismus

Zu den wohl berühmtesten Autoren dieser Epoche zählen Franz Kafka, Alfred Döblin und Berthold Brecht. Kafka beschreibt in seinem Werk Die Verwandlung die elende Geschichte von Gregor Samsa, welcher sich eines Morgens als Ungeziefer verwandelt wiederfindet und an der dadurch zerfallenden Kommunikation mit seinem sozialen Umfeld zugrunde geht.

Ein Paradebeispiel für die Großstadtthematik die im Expressionismus ein grundlegendes Motiv darstellte, ist Alfred Döblins Roman Berlin Alexanderplatz. Er erzählt die Geschichte des Lohnarbeiters Franz Biberkopf, welcher sich nach seiner Haftentlassung in der Metropole Berlin orientierungslos und verloren eine neue Existenz aufbauen muss.
Berthold Brecht beschreibt in Baal das Leben des bewunderten, doch moralbefreiten Dichters Baal, welcher als Außenseiter viel Zeit in Kneipen verbringt und mit seiner antibürgerlichen Einstellung von seinem Gönner Mech hinausgeworfen wird. Er kehrt der Gesellschaft den Rücken und zieht mit seinem Freund Ekart durch die Lande.

Weitere namhafte Vertreter sind zum einen Georg Trakl mit seinem bereits erwähnten Gedicht Grodek, in welchem er die Schlacht in Galizien in der er als Sanitäter teilnahm und die Schrecken des Krieges die ihn tief erschütterten, darstellte.
Die Dichterin Else Lasker-Schüler klagt in ihrem Gedicht Weltschmerz, wie der Titel bereits verrät, über die verbitterten und negativen Gefühle gegenüber der Welt.

Gottfried Benn stellt in seinem Gedicht Nachtcafè das gesellschaftliche Treiben in eben jener Kulisse dar.