Der Besuch der alten Dame - Die Szenenanalyse ( 3. Akt/2.Szene)

Fach Deutsch

Klasse 9

Autor Ninchen01

Veröffentlicht am 29.11.2017

Schlagwörter

Dürrenmatt Drama Dritter Akt Der Besuch der alten Dame Szenenanalyse

Zusammenfassung

Die zweite Szene des dritten Aktes ist der bedeutend für die weitere Handlung des Dramas. Die Charaktere finden sich in Ills Laden zusammen und verschulden sich. Desweiteren machen sie Ill Vorwürfe das Leben der Milliardärin zerstört zu haben.

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Das Drama „Der Besuch der alten Dame“ geschrieben von Friedrich Dürrenmatt und neuverfasst im Jahr 1980, handelt von Claire Zachanassian, einer amerikanischen Multimillionären, die in ihr Heimatdorf Güllen zurückkehrt um sich an ihrem damaligen Geliebten Ill zu rächen und deswegen eine Milliarde an das Dorf Güllen spendet, wenn jemand Alfred Ill für sie tötet.

Das Drama spielt im Jahr 1954, also in der Nachkriegszeit.

In der zweiten Szene des dritten Aktes finden sich die meisten Charaktere des Dramas (Der Erste, der Zweite, der Dritte, der Vierte, Frau Ill, der Maler, die Beiden, der Lehrer, Ill, die Tochter, der Sohn, die Presse und der Fotograf) in Ills Laden zusammen, kaufen auf Rechnung und machen Ill Vorwürfe, Claire ins Unglück gestoßen zu haben. Die Anwesenheit der Presse stellt einige Hintergründe dar und verdeutlicht noch einmal, wie sich das Dorf gegen Ill wendet. Außerdem hält der Lehrer betrunken eine Rede und stellt sich vorerst auf die Seite von Ill. Am Ende der Szene akzeptiert Ill sein Schicksal und ist bereit für die gebotene Milliarde mit dem Leben zu bezahlen.

Die Szene ist sehr ausschlaggebend für die weitere Handlung und der Wendepunkt des ganzen Dramas.

Der Gesprächsverlauf lässt sich in fünf Abschnitte gliedern.

In dem ersten Abschnitt (S.91-95) kommen die Güllener Bürger in Ills Laden, um auf Rechnung teure Dinge zu kaufen und Frau Ill anzutreffen.

Die Charaktere führen ein sehr alltägliches Verkaufsgespräch und bleiben vorerst sehr distanziert. Es kommt jedoch zum Ausdruck, dass der Erste und der Zweite das Gespräch mit Frau Ill auf Alfred Ill lenken möchten. Sie versuchen Alfred Ill schlecht darzustellen, indem sie seine damaligen „Schandtaten“ aufzählen.

Die Charaktere stehen sich nicht besonders nah und führen daher kein enges Gespräch. Der Redeanteil der Anwesenden teilt sich gleichmäßig auf, sodass ein reger Dialog entsteht, indem alle Charaktere abwechselnd eine Aussage machen und sich somit aufeinander beziehen.

Die Sprechweise ist sehr alltäglich und die Sätze sind sehr kurz und leicht verständlich.

Das Gespräch scheint vorerst sehr bedeutungslos, allerdings wird im Verlauf schnell deutlich, wie die Beiden versuchen Ill schlecht zu machen („Schlimm hat er's mit der armen Frau Zachanssian getrieben“, Vergl. S.93). Außerdem wird in diesem Gespräch die Sichtweise von Frau Ill das erste Mal veranschaulicht („Ich leide auch darunter“,S.93).

 

In dem zweiten Abschnitt (S.95-95) kommt die Presse dazu.

Durch die Regieanweisungen wird deutlich, wie sich der Laden mit immer mehr Bürgern füllt. Die Presse versucht Frau Ill und weitere Bürger Güllens auszuhorchen, außerdem wird die Geschichte von Claire und Ill kurz zusammengefasst.

Die Pressemänner versuchen durch Behauptungen ( z.B. „ ...ihr Mann hätte sie Claire Zachanassian vorgezogen“) die Zustimmung der Anwesenden zu erhalten und somit neue Informationen zu bekommen.

Darüber hinaus versuchen sie Frau Ill auf ihre Seite zu ziehen und versuchen ihr zu zeigen, welche Vorteile sie durch das Geld hätte („ Ihr Mann, Frau Ill ist er nicht hin und wieder, ich meine es wäre schließlich menschlich, wenn es ihn hin und wieder reuen würde“).

Das Gespräch wird eindeutig von den Pressemännern dominiert, da sie sehr gezielte und ausführliche Fragen stellen und meist eine nur sehr kurze Antwort erhalten. Dennoch wechseln sich die Gesprächspartner ab.

Die Sprechweise der Pressemänner ist sehr zielstrebig und selbstbewusst. Außerdem weisen sie ein sehr neugieriges Verhalten auf.

Dem Leser werden hier einige Details offenbart. Sehr auffällig ist, dass Frau Ill erneut sehr stark in den Dialog miteinbezogen ist, was in den vorherigen Szenen nicht der Fall war.

Das sehr vorwurfsvolle Verhalten der Presse und der Versuch Frau Ill zu überzeugen lässt den Leser fühlen, wie ernst die Lage bereits ist. Das abweisende Verhalten von Frau Ill, zeigt dem Leser jedoch, dass sie sich auf die Seite ihres Mannes stellt.

In dem dritten Abschnitt (S.98-102) mischt sich der Lehrer in das Geschehen ein. Außerdem betritt Ill seinen Laden und wird von den Pressemännern um ein Foto gebeten. Nach Ills Ankunft verlassen die meisten anwesenden Güllener den Laden.

Am Anfang des Abschnittes dominiert der Lehrer das Gespräch. Er appelliert an die Menschlichkeit und möchte der Presse die Wahrheit erzählen. Außerdem appelliert er an die Tochter von Alfred Ill und an Frau Ill, sie sollten mehr hinter ihrem Vater und Gatten stehen, wird jedoch anschließend von Alfred Ill gebeten aufzuhören.

Die Stimmung in dem Laden wird durch die Vorwürfe des Lehrers plötzlich sehr kalt und ein Streit bahnt sich an.

Die Gesprächspartner reden sehr kräftig und laut, um zu Wort zu kommen und ihre Meinung durchzusetzen. Der Lehrer redet sehr energisch.

Die Atmosphäre des Gespräches ist für den Zuschauer sehr schwer einzuordnen, da der Lehrer zum Zeitpunkt seiner Aussagen betrunken ist. Es wird durch die Rede des Lehrers ein Zeichen gesetzt, allerdings ist es sehr schwer die Ernsthaftigkeit dahinter zu beurteilen. Der Eingriff von Ill verunsichert den Leser sehr, da er zu diesem Zeitpunkt der Einzige ist, der streng hinter ihm steht und trotzdem abgewiesen wird.

Zudem wird die aktuelle Lage erneut veranschaulicht, da die Bürger den Laden schnell verlassen, nachdem Alfred Ill eingetreten ist.

In dem vierten Abschnitt (S.102-109) kommt es zum unerwarteten Schuldeingeständnis von Ill, des Weiteren betritt der Bürgermeister ebenfalls Ills Laden und schlägt ihm den Suizid vor.

Dieser Abschnitt stellt den Wendepunkt des gesamten Dramas dar.

Das Gespräch wird von Ill dominiert, der die Hauptperson des Gespräches ist, seine Gesprächspartner jedoch ständig wechseln.

Bei dem Gespräch zwischen Ill und seinen Kindern wird schnell deutlich, wie kalt die Beziehung mittlerweile geworden ist, denn auch die Kinder fangen an Geld auszugeben, dass sie eigentlich gar nicht haben.

Es ist deutlich zu erkennen wie schwer es für Ill ist sich einzugestehen, was selbst schon in seiner eigentlich vertrauten Familie vor sich geht (S.104/105), dies wird sehr durch das nicht flüssige, sondern oft durch Schweigen unterbrochene Gespräch veranschaulicht. Außerdem ist sehr auffällig, dass besonders Frau Ill versucht die Situation herunterzuspielen und sie Alfred Ill plausibel zu machen („Es ist doch klar, dass die Sache friedlich arrangiert, ohne dass dir auch nur ein Haar gekrümmt wird“ ,S.105).

Überdies ist im Verlauf des Gespräches zu erkennen, wie sich das Vertrauen und die Beziehung zwischen Ill und seiner Familie immer mehr verschlechtert, da Ill Misstrauen entwickelt.

Als der Bürgermeister im Verlauf der Szene den Laden ebenfalls betritt, wird auch hier verdeutlicht, wie sich Ill immer mehr um sein Leben fürchtet, da auch in diesem Gespräch eindeutige Sprechpausen vorzufinden sind.

Der Bürgermeister versucht Ill vorsichtig zu verdeutlichen, dass sein Tod naht und möchte ihn dazu bewegen, seinem Leben ein Ende zu setzen, sodass das Dorf Güllen die Milliarde bekommt, ohne dass ein Bürger zum Mörder wird. Dazu benutzt er Wörter wie „Ehrenmann“, „Gemeinschaftsgefühl“, oder „Liebe zum Vaterland“.

Desweiteren redet der Bürgermeister erst in der ersten Person Plural

(„Wir könnten...“) um ein Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen und wechselt dann in die erste Person Singular („Ich würde...“) um ihn von seiner Idee zu überzeugen und zu verdeutlichen, dass seine Meinung die Richtige ist.

Der Zuschauer wird hier emotional sehr berührt, da Ill ganz allein mit seinem Schicksal dasteht und zu kämpfen hat. Diese Emotionen werden unterstützt durch die Familie, die sich gegen ihn stellt, indem auch sie neue teure Sachen erwerben, aber auch durch den Bürgermeister, der Ill seinen Tod vors Auge führt.

Im letzten Abschnitt der Szene (S.109-112), fährt Alfred Ill mit seiner ganzen Familie, in dem neuen Auto des Sohnes noch einmal durch die Stadt. Während der Autofahrt, werden immer wieder Anspielungen auf Sachen gemacht, die sie sich früher nicht leisten konnten, nun aber ermöglicht wurden, beispielsweise das Studium der Tochter oder der Pelzmantel von Frau Ill („Ottilie nimmt einen Fortbildungskurs in Französisch und Englisch“)

Auffällig ist, dass Alfred Ill keines Falls beachtet wird, sondern die Gespräche nur von der Tochter oder anderen Personen handeln.

Die „Rundfahrt“ wird auf Wunsch von Ill gemacht, der vor seinem Tod noch einmal die schönsten Orte Güllens sehen möchte und in Erinnerung schwelgt.

Das Verhältnis der Charaktere ist erneut nur sehr entfremdet und keinesfalls vertraut.

Während Ill in immer längeren Sätzen von der Umgebung spricht, führen Frau Ill und die Tochter ein unabhängiges Gespräch und unterhalten sich in sehr knappen Sätzen.

Am Ende des Abschnittes verlässt Ill das Auto, um alleine noch einmal durch den Konradsweilerwald zu der Gemeindeversammlung zu laufen.

Auch hier wird erneut der Zuschauer sehr berührt. Es ist sehr auffällig, dass Ill keinerlei Beachtung geschenkt wird. Durch die sehr gehobenen Bemerkungen der Tochter und der Gattin wird der neue hohe Lebensstandard der Familie deutlich. Die Erinnerungen von Ill, an alte Tage berühren sehr und erzeugen Empathie, da erneut verdeutlicht wird, dass sein schönes und bescheidenes Leben bald ein Ende nehmen wird.

Schlussendlich ist zu sagen, dass diese Szene sehr ausschlaggebend für den weiteren Verlauf ist, da durch das eindeutige Positionieren der Familie gegen Ill und die Einsicht von Ill viele neue Erkenntnisse für den weiteren Verlauf gesammelt werden können.

Es handelt sich hier um viele persönliche Gespräche, die alle allerdings auf einer gewissen Distanz bleiben.

Außerdem ist sehr auffällig, dass fast alle Charaktere des Dramas in dieser Szene noch einmal ein Rolle spielen, bis auf Claire Zachanassian und ihr Gefolge, da sich diese Szene allein auf Ill bezieht.

Diese Szene gibt dem Drama eine Wendung, da Ill sich hier sehr stark verändert und sich den Güllener Bürgern stellt, indem er seinen Kampf aufgibt und Einsicht zeigt.

Außerdem wird in der gesamten Szene gezeigt, wie sich das Dorf Güllen durch die gebotene Milliarde verändert hat und Ill nun überzeugen will für das Dorf zu sterben. Dies wird sehr oft demonstriert, indem sich alle Charaktere der Szene Ware auf Kredit kaufen und der Bürgermeister Ill sogar den Selbstmord vorschlägt.

Meiner Meinung nach ist diese Szene sehr emotional mitreißend, da man den Leidensweg Ills durchgehend verfolgt und dieser nun durch das Resignieren beendet wird. Außerdem ist sehr erschreckend, wie Ill auf einmal alleine dasteht und keine einzige Person mehr etwas um sein Leben, sondern nur noch um das Geld gibt.

Obendrein erscheint es mir fast unfassbar, mit welcher Dreistigkeit die Bürger vorgehen um Alfred Ill in den Tod zu treiben.

Zusammenfassend kann ich das Handeln der Menschen zwar soweit nachvollziehen, dass sie ihre Stadt retten möchten und somit die finanzielle Unterstützung fordern, allerdings kann ich es nicht verstehen, wie man aus Egoismus so weit gehen kann, ein Menschenleben aufs Spiel zu setzen.